D21 – Digitalisierung fordert lebenslanges Lernen

Da ist sie wieder, diese für mich nervende Diskussion über sinnvolles Vorgehen, wo doch Handeln gefragt wäre. Seit 2001 gibt die Initiative D21 den (N)Onliner-Atlas heraus, mit Ergebnissen zur Nutzung von Computer und Internet in Deutschland. Die Ergebnisse sind eindeutig, wie folgendes Zitat aus der Studie zeigt:

Wer lesen kann, ist klar im Vorteil. So flapsig er heute klingt, gilt dieser alte Spruch auch für den Umgang mit dem Internet. Die Möglichkeiten des Internets für sich zu erkennen und selbstbestimmt und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen zu können bedeutet in einer zunehmend digitalisierten Welt vor allem eins: Teilhabe am gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Leben.

Es ist alarmierend, dass im Jahr 2015 die digital wenig erreichten Nutzertypen noch immer durch weibliches Geschlecht, höheres Alter und ein niedriges Bildungsniveau geprägt sind.

Über sinnvolles Handel wird immer wieder diskutiert, z.B. auch bei der Preisverleihung zum Goldenen Internetpreis 2015 in Berlin. Beim Goldenen Internetpreis werden seit 2012 immer wieder positive Beispiele für die sinnvolle Nutzung von Computer und Internet durch Ältere gezeigt. Doch offenbar führen diese Aktivitäten zu keinem messbaren Erfolg. An der der Preisverleihung vorausgehenden Panel-Diskussion durfte auch ich teilnehmen, konnte aber auch nicht „die Problemlösung“ präsentieren. In diesem Weblog habe ich bereits mehrfach meine Gedanken dazu geschrieben, aber wohl auch kaum jemanden erreicht. Dabei machen wir alle sichtbar die selben Fehler: Wir sehen uns nicht den Kreis der potentiellen Nutzer an. Dann denken nicht langfristig genug, sondern folgen dem offensichtlich in Politik und Wirtschaft üblichen Denken in maximal 2jährigen Projekten.

Wer sind die Nonliner?

Antwort geben seit Jahren die Untersuchungen von D21: Es sind alte Frauen mit niedrigem Bildungsabschluss. Sie haben ihren aktuell oft bereits verstorbenen Männern den Haushalt organisiert. Sie haben oft nicht sozialversicherungspflichtig gearbeitet, d.h. ihre Renten sind niedrig. Sie haben es auch nicht gelernt, ihren Alltag über die häuslichen Pflichten hinaus konstruktiv zu organisieren. In der Untersuchung wird dieser Nutzertyp vornehm mit „außenstehende Skeptiker“ umschrieben – „schön geschrieben“ würde ich sagen.

Nach D21 gibt es dann auch noch „häusliche Gelegenheitsnutzer“, die ebenfalls „eher weiblich mit niedriger bis mittlerer Bildung“ sind und dann sind da noch die „vorsichtigen Pragmatiker“, natürlich wieder eher weiblich und mit mittlerem bis niedrigem Einkommen. Diese drei Gruppen machen 64% der digitalen Gesellschaft aus, d.h. nur 36% der Gesellschaft bewegen sich selbstbestimmt und kompetent in der digitalen Welt.

Wer kann helfen?

Es geht also überwiegend um ältere Frauen, denen beim Lernen von Neuerungen geholfen werden muss, und denen auch Wege zur Beschaffung und Finanzierung von Technik aufgezeigt werden müssen. Konkret: Wer stellt das WLAN zur Verfügung? Wer beschafft und verleiht kostengünstig technisch sichere Tablets? Wer sorgt dafür, dass diese Technik dann auch längerfristig sinnvoll eingesetzt – und so die soziale Teilhabe von 64% der Bevölkerung gesichert – wird?

Nach meiner Erfahrung bedarf es zur Lösung der Situation neben fachlichem Training einer persönlichen Komponente, daher schätze ich besonders Paten-Modelle. Derartige Projekte wurden vor einigen Jahren u.a. von der BAGSO und der Stiftung Digitale Chancen als Erlebnis Internet – Internet erfahren organisiert. Wenn man sich auf der Website der BAGSO umsieht, findet man noch diverse andere Projekte über deren langfristige Wirkung sicher die Betroffenen etwas sagen können.

Es wäre schön, wenn Schirmherr und Partner des Wettbewerbs Goldener Internetpreis in der nahen Zukunft ihre finanziellen Mittel und ihr Engagement verstärkt in Paten-Modelle für die angesprochenen digitalen Außenseiter investieren würden, denkt
HoSi.

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