Ältere und Soziale Netze

sozialenetze

Dieser Blog lebt davon, dass ich immer noch etwas zum Thema (N)Onliner zu schreiben finde. Eigentlich ist alles gesagt, doch dann kommt der Oberlehrer in mir wieder durch. Dabei bin und war ich nie Lehrer ;=). Wer kennt nicht diesen mitleidigen Blick, wenn man in einer Veranstaltung das Handy in der Hand kurz den Raum verlässt? Wer musste sich im Kreis Älterer, z.B. bei einem Klassentreffen, nicht schon anhören, wie überflüssig diese neue Technik doch ist? Für mich gab es in den letzten Tagen zwei Anlässe über diese Fragen nachzudenken. Hier mein Standpunkt.

Lange Selbstständigkeit

Wir leben glücklicherweise in einer Zeit, in der die Lebenserwartung steigt und viele Ältere immer länger selbständig in vertrauter Umgebung leben wollen und können. Diese Selbstständigkeit bedeutet aber auch eine Anpassung an sich ändernde Lebensumstände. Den Tante Emma Laden im ländlichen Raum gibt es schon nicht mehr, die VHS kann auch immer weniger ein breit gefächertes Angebot vor Ort liefern. Geänderte Berufswege zwingen Jüngere zu Flexiblität und häufigen Ortswechseln. Sie müssen fern von der Familie leben.

Diese Lebensumstände haben dazu geführt, dass Online-Kaufen, Online-Kommunikation, z.B. per Skype, Online-Banking und zunehmend auch Online-Lernen, z.B. MOOCs, immer selbstverständlicher werden.  An all dies müssen sich auch Ältere anpassen, wenn sie den Anschluss nicht verlieren wollen. Ich rate Älteren daher: Nutzt die Sozialen Netzwerke für Kontakte, die über euren bisherigen Bekannten- und Familienkreis hinaus gehen! Ihr bereichert euch und entlastet die Jüngeren in eurer Familie!

Lebenslanges Lernen

Ein Problem für viele, meist ältere Menschen ist dann auch die für die Teilhabe an der Gesellschaft erforderlichen Technik. Vor etwa 30 Jahren kamen die ersten Personal Computer (PC)  in private Haushalte, das schnelle breitbandige Internet folgte in Großstädten vor 10 Jahren, das erste Smartphone (iPhone) folgte vor 8 Jahren und das erste Tablet (iPad) vor 5 Jahren. Seit einem Jahr drängen viele am Handgelenk tragbare Geräte auf den Markt. Die Zeitspannen für Neues werden immer kürzer. Wir ahnen nicht, was in den nächsten 5 Jahren kommen wird.

All diese Geräte können das Leben von Älteren erleichtern, wenn sie einen Weg zur Finanzierung finden und bereit sind Neues zu lernen. Das gilt besonders für diejenigen, die im Beruf kaum umlernen mussten. Ich rate Älteren: Nehmt Kontakt zu Jüngeren auf! Und Jüngere bitte ich: Traut Älteren ein Umlernen zu und schüttet trennende Gräben zu!

Viel Geduld und Angebote

Ja, das ist alles gut und schön, wird mancher sagen. Doch was tun wir mit dem Teil der Gesellschaft, den wir bisher nicht erreicht haben? Da hilft sicher wenig reden und schreiben, denn von den Betroffenen hartnäckigen Nonlinern wird kaum jemand diesen Text lesen ;=).

Es bleibt aber der Wunsch, dass in den öffentlichen Medien objektiv(er) über die Notwendigkeit zur Teilnahme berichtet wird. Warum wird nicht regelmäßig über die vielen konstruktiven Angebote und Hilfen für Einsteiger in die Welt von Computer und Internet berichtet? Warum wird lieber z.B. das Online-Banking verteufelt, statt auf helfende Angebote hinzuweisen?

 

Advertisements

6 Gedanken zu „Ältere und Soziale Netze

  1. Lieber Horst, du sprichst mir aus der Seele. Auch ich bemühe mich ständig, meine Leute zu animieren, vor allem bei älteren Personen die Ängste zu minimieren …
    Erfreuliches: Seit einiger Zeit veröffentlicht unsere Tageszeitung bei jeder Ausgabe einen Artikel zu: „Wir sind digital“. Sie berichten Positives nicht nur aus dem Schulbereich, aus der Wirtschaft, von Einzelunternehmen, Einzelpersonen … Auch unser PC-Treff wurde inspiziert. In der letzten Samstagausgabe erschien der Artikel: Keine Angst vor dem Computer.

  2. Schöner Blogpost, könnte ich alles unterschreiben. Betreff Technik überlege ich gerade, ob das heute nicht in den allermeisten anderen Bereichen auch zutrifft und sogar akzeptiert ist. Jede klitzekleine Haushaltsanschaffung hat eine ellenlange technische Beschreibung. Meine Mutter hat noch in hohem Alter die Heizung selbst eingestellt, weil sie mir das mit Recht nicht zugetraut hat. Ich glaube, an der Technik allein kann man die Nondigis und die NonSoMe’s nicht festmachen.

    Ich habe überhaupt keine technische Begabung, aber ich benutze doch mit Vergnügen das digitale Zeugs. Bei Älteren fehlen vielleicht oft die Erfahrungen von teamwork. Und sie erfahren nicht, wieviel Spaß social media machen kann, weil sie es gar nicht erst versuchen. Ich wünsche mir, dass ich ein einziges Mal zu hören kriege: Ich habe Angst davor. Soll ich es mal versuchen? Wie hast Du das geschafft? Hilfst Du mir?

    p.s. Ein schönes Addon wäre natürlich: dass die Hilfe nicht scheitert und daß nicht alles im Sande verläuft oder auf dem untersten Level bleibt

  3. Hallo Horst,
    ich bin im Forum des ichMOOC auf Deinen Blog aufmerksam geworden und finde ihn wunderbar. Ich wünsche den Nonlinern (übrigens liebe ich diese Wortschöpfung), dass sie ihre Berührungsängste vor sozialen Netzwerken abbauen können. Denn da steckt mehr verbindendes als trennendes drin. Gefühlt bestätigt sich aber der Eindruck, den Du auch schilderst, dass häufig gewarnt wird vor Risiken und Gefahren, dabei würden auch ältere Menschen sehr davon profitieren. Es wäre schön wenn sie mehr ermutigt würden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s