Abgehängt – Silbersurfer immer noch Schlusslicht

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Auszug aus D21 – Digital – Index 2014

Seit Jahren ist für mich die Zeit zwischen den Jahren Aufräum- und Nachdenkzeit. So habe ich auch über dieses Weblog sinniert und mir nach zwei Jahren einmal wieder angesehen, wie es eigentlich mit uns Silversurfern und dem Internet so steht. Leider sind wir nach dem aktuellen D21 – Digital – Index 2014 wohl immer noch – und wohl möglich endgültig – abgehängt. Ab dem 50. Lebensjahr geht es statistisch nämlich bergab.

In der Studie wird das etwa so formuliert: Die sogenannten Silversurfer bilden in Sachen digitaler Souveränität das Schlusslicht. Nur 22 von 100 der über 70jährigen gelingt ein souveräner Umgang mit Computer und Internet!

Dort finde ich aber auch: Der Niveaueinbruch beginnt bereits bei den über 50jährigen, also der noch voll im Berufsleben befindlichen Gruppe. Obiger Screenshot zeigt diesen Trend und mich beunruhigt das etwas. Nur etwas, denn so langsam kommen meine Kinder in dieses Alter und dürften den Tend verbessern ;=).

Da auch Frauen und Bildungsschwache zu den digital weniger Souveränen gehören, ist aber wohl doch Handlungsbedarf zu erkennen. Was gäbe es es also zu tun? Was tut ihr bereits? Mein bescheidener Beitrag wartet auf Kommentare.

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13 Gedanken zu „Abgehängt – Silbersurfer immer noch Schlusslicht

  1. Ich weiss nicht, ob die Statistik immer Recht hat. Ich beobachte, dass immer mehr – auch Ältere – sich nun mit dem Smartphone (Ersatz des alten Handys) und auch mit Tablets beschäftigen. Aber sie brauchen ein bisschen Unterstützung. Dafür sind die Kinder oft nicht so sehr geeignet, auch wenn mal was nicht funktioniert. Meine Schwester und Schwägerin haben den Sprung jetzt auch geschafft und nutzen WhatsApp für Nachrichten und Bilder versenden. Damit wächst das Interesse, wenn dann aber Updates für die Apps kommen gibt es wieder Informationsbedarf.
    Leider werden die Geräte mit zu vielen Apps der Hersteller vollgestopft, die man auch nicht löschen kann. Das engt die Arbeit damit und den Speicherplatz ein.
    Beim Laptop werden noch zusätzliche Informationen benötigt, aber auch die Besucher zwischen 70 und 80 Jahren kommen bei uns inzwischen gut zurecht, sofern sie einen stabilen Internetanschluss zu Hause haben. Dieses Jahr sind wieder viele neue Interessenten mit dem neuen Betriebssystem Windows 8.1 dazugekommen, die auch regelmäßig kommen und sich bei Schwierigkeiten helfen lassen. Einige haben inzwischen Laptop, Smartphone und Tablet, was schon recht erstaunlich ist. Tablets sind für das Lesen von Büchern auch sehr gut geeignet, was inzwischen gewürdigt wird. Die Android-Handys/Tablets sind aber eindeutig mehr geschätzt als die anderen Betriebssysteme. Ich bin zuversichtlich, dass es mehr werden, sofern jemand da ist, der die Geräte ordentlich einrichtet, wie das bei uns der Fall ist.
    Gruß Anntheres

    • Danke Anntheres, wir haben wohl ähnliche Erfahrungen gemacht. So bin auch ich skeptisch, ob die Statistik so ganz richtig ist. Ich kann diesen negativen Eindruck nicht bestätigen. Mag allerdings sein, dass wir die Problemkreise nicht kennen bzw. diese schwierig anzusprechen sind – bildungsschwache ältere Frauen z.B. Sorry, klingt irgendwie arrogant.

      In Sachen Beliebtheit von Betriebssystemen beobachte ich, dass hier die Paten einen starken Einfluss haben. Ich finde das auch ganz ok, denn ein guter Berater/Pate sollte sich auch gut auskennen! Wichtig ist nämlich auch, dass (N)onliner nicht nicht nur für die ersten Schritte Paten ansprechen können.

      Noch etwas Technisches: Wenn sich unwichtige Apps nicht löschen lassen, verschiebe ich diese in einen Ordner „Sonstiges“. Leider lässt sich die Größe der App-Symbole nicht einstellen ;=). Kommt vielleicht noch?!

  2. Ich gehöre mit 54 Jahren zu der Gruppe 50,1 %.
    In meiner Freizeit trainiere ich Schüler, überwiegend Kinder. Wir nutzen hier überwiegend
    e – mail, Dropbox, Skype, Google Drive, Whats App um Daten zu verschicken.
    Im Chor Altersgruppe über 50 Jahre wird überwiegend die e – mail genutzt um auf Termine hinzuweisen.
    Wenn ich eine e – mail an den Mundharmonika – Jungs Altersgruppe 70 – 85 verschicke, bekomme ich überhaupt keine Rückmeldung sondern ehr einen Telefonanruf.
    Eine Verunsicherung gibt es oftmals über die Medien.
    Mein Eindruck ist das man sich über das Internet viele Informationen holt. Aktivitäten wie Rückmeldungen gibt es ehr selten. Soziale Plattformen werden von Schülern wohl genutzt, Lehrer (Germany) finde ich hier überhaupt nicht.

    Als ich einen Rektor im Jahre 2013 ansprach er solle einen Weblog ( Keyboard ) von der Webseite der Schule verlinken ging der Daumen sofort nach unten…?
    Fazit: Web 2. ist aus Datenschutzgründen in der Schule noch nicht angekommen !
    Eine Schule Tugbungan mit heute über 6000 Schülern, die ich im Jahre 2012 im Süden der Philippinen besucht hatte, spielte Datenschutz überhaupt keine Rolle. Den Bildungsminister, Stadtdirektor, Bürgermeister, Lehrer und Schüler, finde ich auf Facebook wieder.
    Nun komme ich zu der Frage: Was gäbe es zu tun, tut ihr bereits etwas…?
    In der Schule kann man anfangen Internetportale einzurichten und genauso wichtig für mich ist danach die Vernetzung. Finden die Großeltern die Enkel im Internet, Youtube, Skype wieder, kommt vielleicht der Wunsch nach einem Tablet, Smartphone etc…?
    Kommunikation ist ein Urbedürfnis des Menschen, denn ohne verkümmert dieser !

    • Danke für den kurzen Bericht, Alois. In der Schule ist die Gruppe ab 50 noch stark vertreten. Wenn deine – und auch meine sicher sehr einseitigen – Erfahrungen zu verallgemeinern wären, würde das die Statistik erklären: Ab 50 geht es bergab! ;=).

  3. Da sollte man nochmal nachprüfen, wie die zu ihren Zahlen kommen. Die geringe Einschätzung der eigenen Medienkompetenz kann ich nicht ganz nachvollziehen, denn eigentlich sind doch die 60+ die eigentlichen Digital Natives, weil haben die Entwicklung von PC und Internet fortlaufend miterlebt und sind nicht nur „hineingeboren“. Entsprechend wir in meinem Umfeld souverän gemailed und gegoogelt, fotografiert und gefilmt. Nur die sozialen Medien sind da nicht so angekommen. Es lohnt ein differenzierter Blick, dann können auch adressatengerechte Angebote geplant werden

    • Ich denke, dass dort schon „sauber“ ermittelt wurde und das Ergebnis ok ist. Meine Vermutung ist: Wir gehören sicher nicht zu den „Abgehängten“, d.h. zu den Bildungsbenachteiligten und den wirtschaftlich benachteiligten Frauen. Daraus schließe ich, dass wir auch keinen repräsentativen Querschnitt beobachten.

  4. Es ist interessant, wie ihr euch mit dem Thema beschäftigt. Natürlich sind die Jüngeren stärker mit der Materie vertraut und die Älteren haben Nachholbedarf. Die Jüngeren kommen beruflich nicht mehr weiter – der „Computer“ hält überall Einzug. Die Kleinen wachsen hinein, lernen es wie die Sprache, das Lesen und Schreiben …
    Die Älteren setzen andere Prioritäten, nehmen es nicht mehr so wichtig. Dazu kommen die Ängste im Umgang mit diesen Geräten. Was könnte nicht alles passieren? Diese Frage stellten sie sich nicht, als in den 50iger Jahren das Auto immer mehr auf dem Vormarsch war. Man fährt auch im hohen Alter damit.
    Ich biete meine Kurse hauptsächlich am Vormittag an, wohl wissend, dass hier überwiegend Ältere kommen. Inzwischen besuchen meine Treffs um die 50 Personen; Ältere fühlen sich wohler, wenn sie mit etwa Gleich-Altrigen lernen. Übrigens: Es sind zu 95% Frauen. Dadurch verschieben sich natürlich die Themen.

    • Mir scheint, du bist auf dem richtigen Weg. Bei 95 % Frauen umter deinen TeilnehmerInnen dürfte dich die Seite 33 der Studie (als PDF downloaden) interessieren. Warum sind wir Männer seit Jahren digital souveräner? Was muss sich ändern? Wie müssen sich die die Frauen ändern?

      Ich vermute, dass hier auch das Bildungsniveau eine Rolle spielt. mehr dazu auf Seite 34 der Studie.

  5. Pingback: Abgehängt? Nur 38 % der Senioren sind online! | (n)onliner

  6. Hängt das Interesse an neuen Techniken wirklich nur vom Alter ab?
    Ich denke in jeder Altersklasse gibt es Menschen, die neugierig und für alles Neue offen sind, und andere, die sich – aus welchen Gründen auch immer – allem Neuen verweigern. Jüngere haben vermutlich mehr Kontakte zu Gleichaltrigen und wollen weniger gerne ihnen gegenüber zurückstehen, als dies in der älteren Generation der Fall zu sein scheint.
    Ich frage mich nur, warum soll man in dieser Sache missionarisch wirken.
    Jedem Tierle sein Pläsierle! Oder wie einer meier Lehrer schon vor 70 Jahren zu sagen pflegte:
    Der eine isst gern Sauerkraut, der andre fährt gern Rad

    • Danke Johannes, die erneute Beschäftigung mit dem Thema hat auch mir klar gemacht, dass mit missionarischem Handeln sicher wenig zu erreichen ist. Mehr als Angebote zur Hilfe kann man nicht machen – und diese Angebote gibt es ja in großer Zahl.

  7. Nach den letzten 6 Wochen, in denen ich bis heute mit 80 Menschen 65+ in den Gesprächsrunden „Wir versilbern das Netz, das 1×1 der Smartphones und Tablets“ erste Schritte gewagt haben, kann ich sagen das Interesse ist riesig aber die Schulung für die neuen Techniken für Menschen 65+ noch nicht ganz angepasst. Es müssen kleine Runden sein, es müssen Begrifflichkeiten zuerst geklärt werden und dann muss mit den Geräten geübt werden. Viele der Teilnehmer haben noch nie mit einem Computer gearbeitet, sind aber sehr interessiert Smartphones oder Tablets zu nutzen.
    Wir müssen gemeinsam viele Wege finden, diese interessierten Menschen 65+ mit in unsere digitale Welt zu nehmen. Es wird nicht einen Weg geben. Das Angebot von SLO ist top aber für viele unserer Teilnehmer noch eine Stufe zu hoch.

    • Zunächst einmal sage ich danke für ihre Rückmeldung und ihr Engagement zur Hilfe für Einsteiger in die Welt des Internets. Sie beobachten ganz richtig, dass Ältere bei den 1. Schritten persönlich und Vor-Ort betreut werden müssen. Viele der Aussagen in diesem Blog wenden sich daher auch an „Paten“, d.h. denjenigen, die den Einsteigern helfen.

      Das reine Online-Angebot von SLO kann das nicht leisten. Wir kommen erst ins Gespräch, wenn die Nonliner das Gehen gelernt haben. Meine Erfahrung zeigt, dass viel Fragen erst dann auftreten, wenn man allein vor dem Computer, Tablet oder Smartphone sitzt. Dann wünscht man sich aber eine schnelle Hilfe, die ich auch in diesem Blog schon angesprochen habe: https://nonliner.wordpress.com/2012/08/15/nonliner-paket-internet-ohne-alters-grenzen/

      Diese Hilfe nach der Einführungsveranstaltung können „Paten“ geben (=ideal, aber kommt leider schwer zu stande) oder man organisiert eine „Hotline“ (=Skype ist dazu die Grundlage. Z.Z. experimentieren wir mit einer reinen Browser-Lösung appear.in).

      Vorschlag: Sie zeigen mit Hilfe von SLO in ihren Einführungen, wie einfach man so eine „Hotline“ organisieren bzw. nutzen kann.

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